Tief


Wer mich kennt weiß, dass ich seit Jahren mich für Momente interessiere, in denen man – wie ich es nenne – »außer sich ist«. In denen die Zeit still zu stehen scheint. In denen ich kaum noch spüre, dass ich in einem Körper gefangen bin. Momente, die bei Kindern deutlich häufiger vorkommen, wie mir scheinen will, als bei Erwachsenen. Gerade gestern sah ich wieder zwei Jungs, die wohl schon um die 12 waren, die einfach auf der Straße saßen. Und sah, wie sogenannte Erwachsene vorbei gingen oder fuhren und beinahe sehnsüchtig zusahen. Ähnlich sehnsüchtig wohl wie ich, wenn ich – mitten im Trubel, im Alltag – einen Greifvogel sehe. Und er mich daran erinnert, dass ich meine Sehnsucht nach Natur, nach Wald, nach Feld stillen muss. Aber… ich weiche von meinen anfänglichen Gedanken ab. Mir begegnete vor ein paar Tagen ein Buch eines Stephen Cottrell, in dem es um Entschleunigung unseres Lebens und Alltags geht. Und auch bei Bill Hybels las ich Zeilen, in denen es darum geht, dass wir unseren Alltagsmotor herunterfahren müssen, um wieder zu uns zu kommen. Auch um diese Momente des inneren Verharrens wieder zulassen zu können. Und der gute alte Luther sagt: „Wenn ich besonders viel zu tun habe, dann nehme ich mir besonders viel Zeit zum Beten!“

Jörg Kassühlke

-- Geboren in Northeim, Niedersachsen - - Gemeindereferent im pastoralen Dienst seit 2011 in Aschaffenburg - - Bücherfreund, ehemaliger Profifotograf, noch immer mit der Leica und dem iPhone unterwegs --

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Avatar

    Jepp, kann ich absolut bestätigen. Mich brachten erst Panikattacken zum STOP. Seit einem Jahr mache ich nichts (meinen die, die mich weniger kennen) dabei passiert soviel "unsichtbares" aber höchst wertvolles…
    Weniger ist manhcmal eben doch mehr 😉
    LG

  2. Avatar

    Wie auch immer: ich wünsche sehr, dass all die vielen Dinge, die – wie in einer Schneekugel – aufgewirbelt worden sind, ganz langsam fallen dürfen. Und dann Zeit zum Betrachten, zum Verstehen und zur Neuordnung bleibt.
    Dafür alles Liebe und Gute,

    j.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen