Lehre uns bedenken…

»Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. « (Psalm 90,12)

Macht es eigentlich Sinn, darüber nachzudenken, dass ich eines Tages sterben muss? Oder denke ich: okay, klar sterbe ich eines Tages. Aber darüber nachdenken? Kann ich es ändern? Ändere ich etwas dadurch, dass ich es »bedenke«? Und: macht es mich etwa klüger, wenn ich es bedenke? Was soll es also ändern? Als ich ein junger Mann war dachte ich mehr über das Sterben, vielmehr: über den Tod nach als jetzt, da ich ihm, dem Tod, doch deutlich näher stehe. Vielleicht denke ich jetzt häufiger über Gebrechlichkeit nach. Darüber, dass mein Vater einmal darüber predigte, dass das Haus, welches meinen Körper darstellt, ganz langsam abgebaut wird. Dass – meine Gedanken – die Scheiben allmählich einfallen, der Dachstuhl zu wünschen übrig lässt. Und zwar Reparaturarbeiten wieder das Haus etwas sanieren, aber doch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass das Haus eines Tages einfallen wird. Und es auch Zeitgenossen gibt, die das nicht wahrhaben wollen. Und – auch ein Gedanke aus der Predigt meines Vaters von vor Jahrzehnten – es wie beim Jahrmarkt, beim Rummel oder bei der Kerb so ist: es blinkt, es blitzt, es ist hell erleuchtet und zieht die Blicke an. Aber es ist Fassade. Dahinter, hinter der Fassade wird das Gebäude schon abgebaut. Nein, ich will hier niemandem Furcht einflössen. Und ich fürchte mich auch nicht. Vielleicht vor Siechtum, das ich aber ohnehin nicht verhindern kann. Aber vor dem Tod fürchte ich mich nicht. Gott sei Dank dafür. »Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel«, heißt es in 2. Korinther, 5,1. Aber was kann ich oder muss ich tun? Was tat der Verbrecher, der neben Christus am Kreuz hing? Und dem Jesus versprach, dass er »heute noch mit ihm im Paradies« sein würde? Er glaubte.

Jörg Kassühlke

-- Geboren in Northeim, Niedersachsen - - Gemeindereferent im pastoralen Dienst seit 2011 in Aschaffenburg - - Bücherfreund, ehemaliger Profifotograf, noch immer mit der Leica und dem iPhone unterwegs --

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